Leichte Sommerküche

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Ich finde, da wir beim letzen Mal beim kleinen, geizigen, Franzosen waren sollten wir heute dabei bleiben. Er war wirklich sehr nett, hatte eben nur einige Eigenheiten die mich heute noch schmunzeln lassen. Diese Eigenheiten hat wohl jeder von uns und sind wir mal ehrlich: gerade das macht uns doch einzigartig und auf eine gewisse Weise Liebeswert.
Also nach dem ersten Treffen hatte ich eine E-Mail im Postfach und er lud mich zu sich zum Essen ein. Es war Sommer, die letzen Tage waren sehr heiß gewesenen und schon beim letzen Treffen hatte er seine Kochkünste angepriesen. Somit hatte er meine Erwartungshaltung ziemlich hoch gesteckt als er die leichte Sommerküche mit einem Glas Rotwein, auf seinem Balkon ankündigte. Ich freute mich auf den Abend, denn unterhalten hatten wir uns gut, das letze mal.
Ich setze mich in mein Auto und fuhr zu ihm. Er wohnte sehr schön, etwas außerhalb der Stadt und hatte eine gepflegte Wohnung. Auf der Fensterbank stand eine halb verdorrte Orchidee, aber sonst war alles top gepflegt. Männer und Planzen, das ist ja auch so ein Thema für sich.

Der Tisch war schon gedeckt und auf dem Herd stand ein Topf. Ein Topf, nur einer. Der Backofen war auch aus und es roch auch nicht nach essen in der Wohnung. Nun, ich kann kochen, ich behaupte mal, sehr gut sogar. Was war nur geruchloses in diesem Topf fragte ich mich??? Ich setze mich und er schenkte mir Wein ein. Dann nahm er den Topf stolz vom Herd und stellte ihn direkt vor meine Nase. Neugierig schielte ich hinein. Kartoffeln???? Nur Kartoffeln!!! Er verkündete: „leichte Sommerküche, heute gibt es Kartoffeln mit Quark!“ Er öffnete die Kühlschranktür und holte einen Eimer Zaziki eines bekannten Discounters heraus.
Versteht mich nicht Falsch, ich bin wirklich nicht anspruchsvoll was das Essen angeht und ich esse so gut wie alles. Aber Kartoffeln mit Quark zum romantischen Abendessen ist alles andere als kreativ. Und wäre das nicht schon alles skurril genug gewesen verkündete er auch noch das der Zaziki echt günstig gewesen wäre. Ich stieg gar nicht darauf ein, da ich keine Lust hatte über die Quark-Preise im Einzelhandel zu Diskutieren.
Wir aßen und unterhielten uns etwas darüber wie wir uns die Zukunft vorstellen, über Musik und wie unser Alltag so aussieht. Er erzählte mir wie schwierig es doch sei seine Orchidee am Leben zu erhalten, da diese Pflanze sehr anspruchsvoll sei und erwähnte 3 Sätze später das er gerne ein Kind hätte. Als zweifache Mutter ersparte ich ihm meinen Kommentar. Aber trotzdem kam mir der Gedanke in den Sinn wie ein Mensch der Orchiedeen schwierig findet wohl ein Kind großziehen möchte.
Nachdem ich nun meine 3 Kartoffeln gegessen hatte, kam es zum „Dessert“. Er legte eine Banane auf den Tisch, eine Banane!!!! Ich fragte ihn was das sollte und er sagte ernsthaft: „Nachtisch! Die schneiden wir in Scheiben und jeder bekommt die Hälfte.“ Dann holte er eine halbe Tafel Schokolade um den Nachtisch raffinierter zu machen. Er meinte wir könnten die ja im Topf schmelzen und dann hätten wir Schokofrüchte. Mir wurde klar warum dieser Mann so dünn war. Ich hatte einfach eine andere Definition eines vernünftigen Nachtisches.
„Schmelzen musst die Schokolade aber du, ich habe sowas noch nie gemacht“ Ich konnte mein Grinsen nicht verkneifen und mir Rutsche der Kommentar: Da hat sich aber jemand in Unkosten gestürzt“ heraus. Ich stellte mich an den Herd um den komplizierten Vorgang des Schokolade Schmelzens vorzunehmen während er tatsächlich eine Banane in Scheiben schnitt. Wir aßen unseren „Nachtisch“ hörten ein wenig Musik und der Abend verging dann doch recht schnell.
Es war spät und ich hatte noch eine längere Heimfahrt vor mir. Ich verabschiedet mich und fuhr. Als ich auf dem Weg zur Autobahn an einem McDonald’s vorbei kam überlegte ich kurz noch ins Drive in zu fahren, irgendwie hatte ich noch etwas Hunger. Aber ich entschied mich für den direkten Heimweg. Ich dachte über den Abend nach und ob ich es mir vorstellen könnte mit ihm zusammen zu sein.
Am nächsten Tag schrieb ich ihm eine E-Mail das ich der Meinung wäre wir passen nicht zusammen. Ich glaube schon es hat ihn etwas getroffen, aber er war nich böse und schlug eine Freundschaft vor. Unser Kontakt ist wirklich nie eingeschlafen und wir schreiben uns heute noch oft, natürlich per E-Mail…

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1 Kommentar

  1. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Wohl aber ein Wochenende, das mit einer schlaflosen Nacht im Treppenhaus anfing: Ich fuhr 360 km und freute mich auf as zweite WE mit meinem damaligen Freund. Der hatte an dem Abend bei einem Seefest gefeiert und wollte sich nur kurz ausruhen. Er hörte weder Handklingeln noch Türklingel. Das Schicksal meinte es gut mit mir und schickte einen Nachbarn auf die Straße, der mich zumindest ins Treppenhaus lief. Dort wartete ich eine Weile, bis mich mein Freund mitten in der nacht anrief um zu fragen, wo ich denn nun bliebe… Da klopfte ich aus dem Treppenhaus heraus an seine Wohnungstür. Allerdings war ich ziemlich sauer und erntete Unverständnis – er war zu diesem Zeitpunkt nicht ganz klar… Diese Geschichte ging am Ende gut aus und wir verbrachten 2,5 Jahre zusammen. Für ihn verließ ich meine Heimat und find ein neues Leben an. Aber wie das oftmals mit jungen Lieben so ist, kommt irgendwann eine Krise – die wir nicht überstanden haben. das ganze ist nun mittlerweile 16 Jahre her und ab und zu haben wir sogar noch Kontakt. Nachtragend bin ich nämlich nicht 😉
    Ich freue mich, weitere lustige Geschichten von dir zu hören!
    Liebe Grüße
    Yvonne

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