Der Klugscheißer

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Manche Männer sind ja ziemliche Klugscheißer und niemand mag Klugscheißer. Meine Rechtschreibung ist sicher nicht die beste und wer meinen Blog aufmerksam ließt der wird sicher über die eine oder andere kleine Unaufmerksamkeit stolpern, was meine Schreibweise angeht. Natürlich passiert mir das auch beim SMS schreiben.

Ich bin ja immer der Meinung das man beim Kennenlernen nicht allzu streng sein sollte. Aber wer schon mal einen Lehrer gedatet hat, der weiß das da das entspannte Chatten schnell vorbei sein kann. Also wieder mal eine online Bekanntschaft und der übliche kennenlern Chat.
Nach ein Paar Nachrichten eröffnete er mir gleich das er Lehrer wäre. „Na fantastisch“, dachte ich mir und klärte erst Mal ab, ob er nicht an der Schule meiner Kinder tätig war. Das hätte sonst wirklich peinlich werden können.

Wir gingen gemeinsam einen Kaffee trinken und ich merkte schon das wir nicht so auf einer Wellenlänge schwammen, was die gemeinsamen Interessen anging. Aber ich wie immer wollte ich tolerant sein. Er spielt Klavier, geht spazieren und ließt viel. Ich höre Elektro, gehe joggen und bin immer unterwegs. Außerdem hatte er noch nicht wirklich etwas geleistet im Leben und wohnte mit 34 immer noch in seinem Kinderzimmer. Er meinte er wolle sparen, um sich dann ein Haus zu kaufen und nicht so wie ich zur Miete zu leben. Seine ganze Einstellung zum Leben war komplett anderes als meine, aber warum können sich Gegensätze nicht anziehen? Er war extrem kinderlieb, was mich sehr beeindruckte und so beschloss ich der ganzen Sachen eine Chance zu geben.

Leider ging es schon beim Autofahren los das wir uns nicht mal einig wurden welche Musik wir hören sollten. Er war für dramatische Klassik und ich war für etwas leichtere Kost. Im Fernsehen mussten wir immer langweile Reportagen anschauen und wenn der mal nicht lief musste ich mir seine selbst komponierten Stücke anhören. Das alles hätte mich wahrscheinlich gar nicht so gestört hätte er nicht grundsätzlich alles blöd gefunden was ich mochte. Er meinte eines Abends zu mir ich sei ein richtiger Proll. Die Musik die ich hörte war asozial , der Kleidungsstil zu jugendlich, die Filme zu niveaulos und meine Kinder erzog ich in seinen Augen eh komplett falsch. Am aller Schlimmsten fand ich aber, das er immer meine SMSen verbesserte. Nach jeder zweiten Nachricht, die ich ihm schickte, bekam ich sie korrigiert zurück. Das ging mir schon nach einer Woche dermaßen auf die Nerven, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.

Ich bat ihn das doch bitte zu lassen, aber er konnte oder wollte das nicht. Immer wieder verbesserte er die Komma Setzung oder das und dass und hielt mir das in regelmäßigen Abständen immer wieder vor. Er lachte dann wie ein Doofi und meinte immer nur: „Ich bin schlimm, ich weiß“ und ich verdrehte genervt die Augen.
Leider war das noch nicht die Spitze des Eisbergs. Eines schönen Nachmittags kam er vorbei und kündigte schon am Telefon eine Überraschung an. Ich freute mich, denn ich dachte an Blumen oder Ähnliches. Als er dann aber bei mir ankam, legte er mir ein Deutsch-Arbeitsblatt für die 3. Klasse auf den Tisch. „Hier, damit du den Unterschied zwischen das und dass lernst!“

Ich dachte ich sehe nicht richtig. Ein Mann der mit 34 noch keine Kinder hat, noch bei Mutti wohnt und auch sonst noch nicht wirklich etwas geleistet hat (außer Abitur zu machen) will mir vorschreiben wie ich zu leben habe.
Ich drückte ihm sein Arbeitsblatt in die Hand und zeigte ihm die Tür. Er konnte meine Reaktion auch gar nicht verstehen den immerhin meinte er es ja nur gut. Aber wer der Meinung ist immer alles richtig zu machen und die anderen machen eh alles falsch, wird wohl nie verstehen können, warum er nicht zu mir passt.

Wir sollten Menschen mit ihren Fehlern akzeptieren und wenn sie Unterschiedliche Meinungen zu den Themen haben sollten wir das tolerieren. Ich suche einen Partner und keinen Lehrer für mich und meistere mein Leben mit zwei Kindern jeden Tag alleine und das obwohl ich ab und an kleine Rechtschreibfehler mache….

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4 Kommentare

  1. Dass er dich als „Proll“ bezeichnet hat, finde ich schon hart! Aber das Arbeitsblatt der 3. Klasse… wow…
    Er erinnert mich an einen Lehrer, den ich mal kennen gelernt habe. Nett war er schon, aber wir waren auch auf einer ganz anderen Wellenlänge. Er hat sich über jeden Schritt im Leben Gedanken gemacht, ich bin da eher nicht so. Bei Mutti gewohnt hat er übrigens auch. 😀

  2. Oh Mann… Ich kenne auch ein paar Klugscheißer, aber keinen, der so furchtbar schlimm wäre. Du hast – wie immer – viel mehr Geduld, als ich je gehabt hätte 😉
    Das ist wieder eine Geschichte von einem Date zum Davonlaufen.
    Liebe Grüße
    Maria

  3. Es ist wirklich ein No-Go, die Unterscheidung zwischen „das“ und „dass“ nicht zu beherrschen. Insbesondere, wenn man von seinem Gegenüber verlangt, der deutschen Sprache mächtig zu sein.

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