Vom Date das nie zustande kam

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Eins vorneweg… Ich bin kein Onlinedater. Und wenn ich sage „kein Onlinedater“, dann heißt das im Klartext: Auf meinem Handy finden sich an die 200 Apps, aber keine die auch nur im Entferntesten etwas mit Swipen, x-en, herzen oder jedweder Form von Menschenselektion zu tun hätte. Auch schreibt sich in meiner kleinen Welt Love immer noch mit E am Ende, nicht mit Doppel-O. Nennt mich alt (-modisch), naiv oder romantisch, aber ich kann dieser Form des Kennenlernens nichts abgewinnen.

Dafür aber habe ich zwei Facebookprofile – eines privat und eines für die Musik, die ich mache. Und da fängt das ganze Dilemma auch schon an. Nicht nur, dass ich mich in einer eher männerdominierten Subkultur bewege, ich bin zusätzlich auch noch nicht unbedingt das Abbild dessen, was man gemeinhin als superfeminin bezeichnen würde: (Stark) Tätowiert, raspelkurze Haare, große Klappe, trinkfest und stark. Und Kleider findet man in meinem Schrank genau eines. Und das passt nicht mehr.

Die Kombination dieser Umstände macht mich für 50% der Männer undatebar, für die anderen 50% zum absolut exotischen Gegenstück dessen, was sie sonst so kennen. Vulgo: Flachlegbar. (An dieser Stelle muss ich spontan an den Backstagevideoausschnitt einer Take-That-Dokumentation denken, als die Band im Bus saß, den hysterisch kreischenden Teenies freundlich lächelnd zuwinkte und sang: „You’re just in love with an i-hiiii-maaaage…“) Das Klischee der promiskuitiven Tätowierten scheint sich auch 2016 noch nicht wirklich abgenutzt zu haben und so kommt’s wie’s kommen muss, wenn mich online jemand anschreibt, dann nur, um Liebe zu machen, nicht aber, um sie zu finden.

Da ist vom gelangweilt Verheirateten / Vaterwerdenden bis zum Halt suchenden Semidepressiven alles dabei. Alles, was ich nicht haben will.

Hin und wieder aber tut sich dann doch mal ein Silberstreifen am Horizont auf und man lernt tatsächlich den ein oder andern Typen kennen, bei dem man (zunächst) das Gefühl hat, es könnte eventuell unter Umständen vielleicht doch etwas werden. Eines dieser Wesen, die gar so selten sind wie Einhörner und Leprechauns, schrieb mich also eines Tages unverhofft an. Wir unterhielten uns viel und eingehend, jeden Tag ein bisschen mehr. Und irgendwann willigte ich dann eben doch auch ein, ihn zu treffen.

Irgendwann, nur ein paar Tage vor dem Treffen, erreichte mich morgens auf dem Weg zur Arbeit in der von Pendlern überfüllten Bahn eine Nachricht von ihm. Ich freute mich schon auf einen kurzen Guten-Morgen-Chat, öffnete fröhlich grinsend den Messenger und sah… Ein kommentarlos geschicktes Bild von seinem besten Stück. In „voller Pracht“ erigierte es mich da vom Display aus an. Sekunden vergingen bis ich realisierte, dass ich gerade in einer gut gefüllten Bahn war. Knopf gedrückt, Display schwarz. Kurz geschluckt. Nachdenken.

What. The. Fuck.

Bei der Arbeit angekommen, waren mittlerweile noch weitere fünf oder so Nachrichten von ihm eingegangen. Es fing an mit Entschuldigungen und endete mit: „Gefällt Dir wenigstens was Du siehst?“ Ich ließ das eben sacken, bevor ich ihn fragte, ob das sein Ernst sei. Seine Antwort?

Ein betröppeltes Smiley.
Noch eins.
Noch eins.
„Es tut mir wirklich leid. Ich wollt Dir auch nicht zu nahe treten.“
Pause.
„Ich hab den falschen Chat erwischt, eigentlich war das Bild gar nicht für Dich gedacht.“

Neeext!

Vielen dank der lieben Julia für diesen tollen Gastbeitrag. Wer mehr von ihr lesen möchte sollte auf ihrem Blog vorbei schauen ☺️.

https://italienundich.com/

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4 Kommentare

  1. Mein Gott, ist das schlecht! Auch wenn ich ein Kerl bin, aber es gibt Verhaltensmuster da schäme ich meiner Spezies….wirklich: *Neeext“

    Gruss
    Markus

    1. Ja, die „Anonymität“ im Internet erlaubt es so manchem Typen, sich von seiner „prächtigsten“ Seite zu zeigen…! 😀 Gott sei Dank, sind nicht alle so. :)

  2. Ja sicher, das war der falsche Chat… aha! Wer’s glaubt! Du meine Güte! Und selbst wenn es der falsche Chat war, wie viele Mädels hatte der junge Mann wohl gleichzeitig am „Start“? Wie du schon sagtest: „Neeeext!“
    Liebe Grüße
    Maria

    1. Irgendwann kommt’s halt immer raus. 😉 Die Frage hab ich mir auch gestellt, aber ich wollt’s dann so genau lieber doch nicht wissen… 😀 Gut, dass es die Blockierfunktion gibt! :)

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