„Also, ich bin jetzt schon ein bißchen Platt!“

242H

Heute habe ich mit meinen Kindern eine Fahrradtour gemacht. Da ist mir eingefallen das ich mal einen Lehrer gedatet habe und von dem muss ich euch heute unbedingt erzählen.

Er war 34 und wohnte noch bei Mutti im Keller, schon alleine an dieser Tatsache hätte ich merken müssen, dass mit dem Kerl was nicht in Ordnung war. Er machte in seiner Freizeit viel Musik und hielt sich für einen begnadeten Künstler. Gut, ich gebe zu, seine Musik war nicht schlecht. Nur leider war dieser Mensch IMMER müde. Und wenn ich sage immer, dann meine ich immer.

Mir ist klar das manche etwas quirliger sind als andere und gegen einen gemütlichen Sofa Abend oder einen faulen Jogginghosen Sonntag sagt auch kein Mensch etwas. Ich bin gerne draußen, vor allem mit den Jungs. Ich möchte euch ein bißchen erzählen wie das mit diesem Typ so abgelaufen ist.

Ich fahre für mein Leben gerne Inliner (im Moment eher Longboard, aber das ist ja egal) und ich freute mich total als er sagte er würde sich welche kaufen um mit mir zu fahren. Also gingen wir los und es mussten natürlich die besten sein die es gab. Immerhin meinte er, er hätte gerade seine Leidenschaft für diesen Sport entdeckt. Doch als wir nach Hause kamen probierten wir die neuen 300 Euro Teile nicht gleich aus, sondern der gute Mann musste erstmal schlafen, immerhin war das einkaufen ja so anstrengend gewesen. Sein Satz dazu war: „Also ich bin jetzt schon ein bißchen Platt!“ Zack und schon war er auf dem Sofa eingeschlafen. Natürlich war an diesem Tag nichts mehr mit Inliner fahren.

Ein anderes Mal gingen wir spazieren. Ich freute mich darauf denn er wohnte in einer Wahnsinnig schönen Gegend, direkt an einem Fluss und um die Wohngegend lauter Felder. Dann ging es schon los das wir an einem Weizenfeld vorbei liefen und er mich allen ernstes fragte ob das denn Mais sei? Ich sah ihn an und meinte: „Wer hat von uns beiden studiert? Das ist Grundschulwissen 2. Klasse!“ Er meinte nur, er sei ja Musiklehrer und ich konnte ich nur den Kopf schütteln, das so jemand auf unseren Nachwuchs losgelassen wurde. Wir gingen ca. eine halbe Stunde am Fluss entlang, dann mussten wir aber wieder zurück denn der furchtbare Pollenflug beeinträchtige ihn dann doch sehr. Kaum waren wir bei ihm im Keller kam der Standardsatz: „Also ich bin jetzt schon ein bißchen Platt!“ und Zack, schon wieder eingeschlafen.

Ich war immer genervter von ihm, denn wir konnten weder abends ins Kino, noch ins Schwimmbad. Er war immer müde, sein Argument war: Die Kinder in der Schule würden ihm psychisch schaffen. Ich meinte dann nur spitz: „Augen auf bei der Berufswahl.“ Er war jeden Abend so erschöpft das mit ihm nichts anzufangen war. Außer etwas Fernsehen schauen war nichts mehr drin und waren das meisten komische Dokumentationen über Krieg oder Tiere.

Ihr erinnert euch sicher noch an den Anfang der Geschichte, er hatte sich ja Inliner gekauft, die er probe fahren wollte. Also lud er mich ein, zum Inline skaten.
Als ich bei ihm an kam, traute ich meinen Augen nicht. Er hatte ein schwarzes langärmeliges Shirt, eine schwarze Jogginghose, einen schwarzen Helm und dann noch schwarze Knie-, Ellbogen- und Handschoner an. Gut, ich sage meine Kindern auch immer: „Helm aufsetzen!!“, aber der Typ sah aus wie ein Alien. Es hatte fast 30 Grad und er war komplett in schwarz und langärmlig gekleidet. Ich musste in mich hinein grinsen und mir war es etwas peinlich mit ihm gesehen zu werden. Mir war ab diesem Zeitpunkt auch klar: Das wird nix mit uns zwei. Wir fuhren ungefähr 10 Minuten, ihr dürft jetzt drei mal raten was dann für ein Satz kam: „Also ich bin jetzt schon ein bißchen platt!“ Wir fuhren nach Hause und er schlief erstmal ne runde.

Wir redeten gleich am nächsten Tag das es wohl besser wäre das ganze zu beenden. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen war sein Argument warum es nicht passt zwischen uns eins der besten die ich jemals gehört hatte. Er meinte ich wäre die perfekte Frau zum miteinander Alt werden und das würde ihm so eine Angst machen, dass er es lieber beenden würde. Jawohl, dass ist mal ein nachvollziehbares Argument und ich war fein raus aus der Nummer. Ein bißchen mehr Action als nur Tierdokumentationen brauche ich dann halt doch im Leben….

Das könnte dir auch gefallen

3 Kommentare

  1. Liebe Christine,

    Ich habe dein Schicksal (als Mutter eines Jungen und Single) viele Jahre geteilt und hatte auch erwogen, ein Buch draus zu machen, habe es aber nie getan. Leider (oder zum Glück) verblassen die Erinnerungen an meine 1000 schlechten Dates allmählich. Dein Lehrer war „mein Frank“, ein ähnlicher Fall von Antriebsschwäche und mangelndem Temperament – promovierter Biologe (schlau könnte man meinen – weit gefehlt). Was ich für brüllend komischen Humor hielt entpuppte sich lahme Naivität, er war so langsam, dass ich dachte, man hat mein Leben auf Zeitlupe umgestellt. Am Ende war ich überzeugt, dass man ihn bestimmt 20 Jahre eingefroren hatte, er im Knast gewesen war oder in einem geschlossenen Kloster so weltfremd war er. Und auch immer müde 😉

    Zu jeder deiner Stories fallen mir ähnliche ein, wir scheinen sie beide anzuziehen – oder sind sie sie alle so? Hinterher betrachtet ist auch bei mir vieles brüllend komisch, aber ich weiß, wenn man drin steckt und er sich wieder als Gurkenmonster entpuppt, zweifelt man am meisten an sich, dann an der Welt, dem eigenen Schicksal, lieben Gott oder Universum, wie man es nennen will. Glaub mir, du bist goldrichtg, zweifle nicht an dir 😀 Danke für deine herrlichen Geschichten!

    Viele liebe Grüße
    Chris

    1. Vielen Dank für deine lieben Worte. Ich habe auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben und meine schlechten Dates haben Momentan ja auch was gutes, denn es amüsiert sehr viele Menschen.

  2. An welchem Punkt eurer Bekanntschaft hat er dir gesagt, dass er Lehrer ist? Lehrer sind schreckliche Menschen, reden immer zu laut, mögen Kinder nicht, kennen nur ihr Fach, wissen trotzdem alles besser und haben zu viel Freizeit…. ich verstehe den immer müden Kollegen. Die Kinder atmen beim Denken den Sauerstoff weg. Irgendwann ist das Klassenzimmer quasi „leer“-gedacht/geatmet. Er muss wohl besonders anspruchsvoll unterrichtet haben wenn der Sauerstoffmangel bei ihm so enorm war… das schlaucht und macht müde. Im Übrigen ist die Tatsache Musik zu unterrichten ja kein Grund die Getreidesorten nicht unterscheiden zu können. Aber vielleicht hat er da auch geschlafen. Sauerstoffmangel im Hirn – beim vergleichen von fünf verschiedenen Getreidesorten laufen einem Zweitklässler schon mal die Synapsen heiß…
    Jetzt bin ich auch müde. Ich hab mir selbst den Sauerstoff weg“gedacht“.
    Gute Nacht
    http://www.kuckuckseiimlehrerzimmer.blogspot.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *