Der Pfannkuchenmann

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Der Pfannkuchenmann
Wir wissen alle, dass Dates unterschiedlich verlaufen können – von großartig (gefolgt von der großen Liebe, stabile Beziehung und vielleicht eines Tages Hochzeit und Kiddies) bis absolute Katastrophe, aus der Frau nicht weiß, wie sie schneller davonkommen kann.
… und dann gibt es noch Dates, die einen mit einem Fragezeichen über den Kopf schwebend zurücklassen.
Nachdem ich euch bereits von meiner schlechtesten Dating-Erfahrung erzählt habe (hier zu finden unter „Menschen mit Verfallsdatum“: http://1000schlechtedates.de/2016/05/01/menschen-mit-verfallsdatum/ ) möchte ich euch heute von einem Date erzählen, von dem ich bis heute nicht genau weiß, wie ich das einordnen könnte. Wenn ich an das Date zurückdenke, schwebt das Fragezeichen von damals immer noch über mir :-) Vielleicht habt ihr eine Idee, wie ich die Begegnung einordnen könnte.
Es begann, so wie alle seltsamen Dates beginnen. Der junge Mann und ich lernten uns online kennen und nachdem wir uns einige Nachrichten hin und her geschrieben hatten, trafen wir uns in ein kleines Restaurant in der Kölner Innenstadt. Mein Date war ein recht attraktiver Mann (für meinen persönlichen Geschmack…), der mit seiner Größe von fast zwei Metern von überall zu sehen war. Ich fühlte mich schon mal zu ihm hingezogen und das war ein großer Schritt nach vorne.
Leider… leider… begann sich der erste positive Eindruck bereits nach den ersten Minuten zu trüben (und es rächte sich, dass wir vorher nicht telefoniert hatten). Mein Date war so schrecklich wortkarg, dass ich kaum mehr als eine Silbe pro Minute zu hören bekam. Ich glaube, Christine hat bereits ein ähnliches Date schon hier beschrieben. Mir ging es genauso – es war unglaublich mühselig, aus dem jungen Mann irgendwelche Informationen herauszubekommen.
Der Beginn unseres Dates ging ungefähr so:
„Was machst du denn so im Leben?“
„Arbeiten.“
„???“
„!!!“
„Und was arbeitest du?“ (an dem Punkt begann ich mich schon zu wundern)
„In der IT.“
„Und wo?“
„Bei einem großen Hersteller.“
(Ach was!) „Was stellt er denn her?“
„Maschinen.“
Oh Mann! Ab da war ich genervt und entschied mich, vorerst zu schweigen, um IHM mal die Gelegenheit zu geben, vielleicht das ein oder andere über mich in Erfahrung zu bringen.
Ihr könnt es vermutlich schon erraten. Wir schwiegen mehrere Minuten lang und gaben nur kurz unsere Bestellungen auf. Nun gut… ich entschied mich, weitere Versuche einer Konversation zu starten. Zum einen mag ich keine Stille zwischen zwei Menschen, die sich gerade kennenlernen wollen – irgendwann wird es eben peinlich – und zum anderen war ich davon überzeugt, dass wir irgendein Thema als gemeinsame Gesprächsbasis finden könnten. Schließlich bin vielfältig interessiert, lese viel, geh ins Kino (oder auch mal ins Theater), gucke ab und zu die Nachrichten und reise gerne. Außerdem kommt mir meine nerdige Seite in solchen Situationen oft zugute, ich kenn mich im „Star-Wars“- und „Star-Trek“-Universum sowie in der Marvel-Welt recht gut aus 😉 Im Grunde bin ich eine Art Leonard aus „The Big Bang Theory“ nur eben in weiblich.
Unter den Voraussetzungen findet sich immer eine Gemeinsamkeit – dachte ich…
Ich will euch den Marathon, den ich durchlaufen musste, hier nicht in allen Einzelheiten schildern. Der Schlusspunkt bildete meine Erkenntnis, dass mein Date absolut nicht in der Lage war, mehr als nur eine Silbe auf einmal auszusprechen. Ich hatte so meine Theorien über die Möglichkeit, dass bei zwei zusammenhängenden Worte, ihm der Schädel platzt oder so.
Jedenfalls hatten wir absolut nichts gemeinsam, oder es ließ sich unter keinen Umständen herausfinden. Schwierig, wenn man nur mit „ja“, „nein“, „mhhhm“ arbeiten muss. Entnervt und ehrlich gesagt auch ziemlich erschöpft, ging ich erstmal auf die Toilette, um kurz Atem zu holen und das Date zu überdenken. Entweder ich setzte mich weiter diesem einseitigen Gespräch aus oder ich ging nach Hause. Ich entschied mich für die zweite Version und kehrte zurück an den Tisch, um mich mit einer Entschuldigung zu verabschieden – ich weiß nicht mal mehr, was ich mir zurechtgelegt hatte.
Als ich wieder zu unserem Tisch kam, standen aber plötzlich zwei Teller mit Pfannkuchen vor uns.
„Hier gibt es die besten Pfannkuchen der Stadt, ich habe mir erlaubt, dir einen zu bestellen“, sagte mein Date.
WOW! Das war ja mal ein ganzer Satz! Wirklich! Mit Subjekt und Prädikat und Adjektive… alles, was dazu gehörte. Ich war beeindruckt! Wir machten Fortschritte.
Ich war zwar pappsatt (ich hatte zwischen den verzweifelten Konversationsbemühungen eine Portion Spaghetti Carbonara verdrückt) aber die Geste war nett, also setzte ich mich an den Tisch und knabberte so viel von dem Pfannkuchen, wie ich noch essen konnte. Schweigend, möchte ich hinzufügen. Die Versuche, mich zu unterhalten, hatte ich aufgegeben.
Nachdem ich etwa ein Drittel des Pfannkuchens gegessen hatte, konnte ich schlicht nicht mehr und kapitulierte. Mein Date beäugte den Pfannkuchen eine Zeitlang, dann fragte er – wieder ein vollständiger Satz – ob ich den noch essen würde. Ich verneinte und fragte höflich, ob er den haben möchte. Begeistert nahm er das Angebot an und atmete den Rest meines Pfannkuchens regelrecht ein.
Dennoch konnte auch der Pfannkuchen das Date nicht mehr retten. Ich trank meinen Cocktail leer und wollte nach Hause.
Die Überraschung kam mit dem Kellner und der Rechnung
Während der Kellner unsere Bestellungen auseinanderbröselte (ich erinnere mich noch genau, ich hatte ein Milchkaffee, meine Spaghetti und ein Cocktail) rief mein Date dazwischen: „und ein Pfannkuchen!“
Ich stutzte. Ich bestehe zwar aus Prinzip darauf, die Rechnung aufzuteilen, ich mag es einfach nicht beim ersten Date eingeladen zu werden. Es gibt mir sonst das Gefühl, dem anderen was schuldig zu sein. Dennoch war ich etwas überrascht, dass ich für einen Pfannkuchen bezahlen sollte, den ich nicht bestellt und den der junge Mann selbst zu zwei Drittel aufgegessen hatte.
Als ich darauf hinwies, bekam ich nur als Antwort, ich hätte ja wohl auch davon gegessen und wir müssten die Rechnung fair teilen.
Da es jetzt um ein paar Kröten ging, konnte der Mann ja richtig eloquent werden. Meine Güte!
Ich wollte keine peinliche Diskussion im Restaurant haben, also bezahlte ich den Pfannkuchen und gut war. An der nächsten Bahnhaltestelle verabschiedete ich mich schnell – nein, ich wollte nicht, dass er mich nach Hause brachte – und stieg in die erstbeste Bahn.
Noch am selben Abend schrieb ich ihm, dass ich zu der Überzeugung gekommen wäre, dass wir doch nicht zusammenpassen würden.
Darauf kam nie eine Antwort.
Wie ich dieses Date einordnen soll, weiß ich bis heute nicht…

Vielen Dank der lieben Maria für ihren Gastbeitrag. Wer mehr von ihr lesen möchte kann das unter http://www.faszinationeuropa.de tun :-)

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1 Kommentar

  1. Wirklich lustiges Date! Der Pfannkuchen Mann unfassbar. Wenn er ihn wenigstens selbst gezahlt hätte wäre es eine schöne Geste gewesen.
    Danke für diesen tollen Blog, ich bin ein großer Fan und komme immer wieder ins schmunzeln wenn ich hier vorbei schaue.

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