Wie ich meinen Traummann ohne Date traf

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Heute erzähle ich euch mal kein Date, aber dennoch von einem Abend an dem ich meinen Traummann getroffen habe.

Kurz zur Einleitung. Ich bin als Teenager ein Riesen großer Take That Fan gewesen. Also wirklich total, mein Zimmer war tapeziert mit Postern und als sie sich trennten, wollte ich nicht mehr Leben. So der typische, kleine kreisch Teenager. Mein Vater ist nie mit mir auf ein Konzert, weil er immer sagte: „Ich zahl doch keine 100 Mark das du nach 5 Minuten in Ohnmacht fällst.“ Und so ging mein Wunsch diese Band einmal live zu sehen nie in Erfüllung. Als sie wieder zusammenkamen war ich dann auf Konzerten, natürlich immer mit meiner Schwester im Schlepptau.

So kam es also das Howard Donald von Take That bei uns in der Gegend mal auflegte. Natürlich mussten wir da hin um uns das anzuschauen. Wir machten uns also hübsch und zogen los. Als wir in der Disco ankamen, setzen sich sofort zwei Typen zu uns, die uns sofort einen Drink nach dem anderen ausgaben. Man merkte sofort, sie wollten uns beeindrucken und machten einen auf dicke Hose.
„Ach Mädels, hier ist es voll langweilig. Kommt wir gehen in einen anderen Club.“
„Aber wir können hier nicht weg, wir wollen den Howard sehen“, meinten wir entrüstet. Sie verstanden das gleich und beschlossen bei uns zu bleiben. Sie erzählten uns das sie den Besitzer der Disco kennen würden und die Türsteher usw. Wir mussten fast kotzen bei der Wichtigtuerei der Zwei und belächelten die beiden nur Müde. „Weil wir die alle kennen können wir euch ein Autogramm von Howard besorgen“ gaben sie an. Wir taten einfach so als wären wir schwer beeindruckt und ließen uns den nächsten Hugo von den beiden ausgeben.

Howard kam und legte tolle Musik auf. Er stand da und sah sooo toll aus. So nah hatte ich ihn noch nie gesehen. Ich konnte meinen Teenagerträumen nachgehen. Das Einzige was die Stimmung etwas trübte waren die zwei Angeber, die wir nach vor an der Backe hatten. Sie hatten es sich praktischerweise aufgeteilt. Der eine baggerte an meiner Schwester rum, der andere an mir. Immer noch waren sie überzeugt uns unser Autogramm zu besorgen und noch immer glaubten wir ihnen nicht.

Die tolle Nacht neigte sich langsam dem Ende zu. Als Howard fertig war mit auflegen stürmten die ganzen Fans auf ihn zu und wollten Autogramme und Fotos. Doch er ging schnurstracks in den Backstage Bereich.
Meine Schwester und ich waren ziemlich müde und wollten heim. Die zwei komischen Prahltypen waren mittlerweile auch irgendwie verschwunden und wir machten noch unsere Witzchen, von wegen Autogramm und so.
Plötzlich kam ein Security-Mann auf uns zu. Er nahm meine Hand und meinte: „Komm mal mit!“ Ich konnte gerade noch meine Schwester packen und zog sie hinter mir her. Ich flüsterte noch: „Was will der von uns, hoffentlich ist das kein Vergewaltiger.“
Er führte uns durch ein große Stahltür und wir gingen mit ihm einen ziemlich runter gekommen Gang entlang. Auf einmal blieb er stehen, drehte sich um und meinte: „Ich hab gehört ihr wollt den Howard treffen, dann geht einfach da rein, da sitzt er drin.“

Oh mein Gott, ich fühlte mich plötzlich wie 13. Mein Herz pochte und meine Knie wurden weich. Ich konnte das gar nicht glauben. Wir machten die Tür auf und da saß er wirklich auf einem Sofa. Der echte Howard, der von Take That, der den ich mit 13 angehimmelt hatte. Er saß einfach da und grinste. Mir war ganz schlecht, die Knie zitterten und meine Hände wurden feucht. Er kam auf uns zu und gab uns die Hand. Dann schaute er mich an und sagte: „You Look so sexy with your short Hair. Never let it grow.“ Alles was ich in diesem Augenblick herausbrachte war einfach nur ein: „Yes!“
Verdrehte Welt. Howard machte mir ein Kompliment. Jetzt war er noch näher und konnte beim Grinsen seine Fältchen sehen und die grauen Haare im Bart. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. Wir unterhielten uns etwas mit ihm und er musste die ganze Zeit über uns lachen, weil wir so aufgeregt waren. Wir redeten darüber das er ein ganz normaler Mensch ist und die Leute immer so aufgeregt sind wenn sie ihn sehen. Und darüber das viele Fans seine neue Musik nicht mögen. Ich liebte sie, es war einfach gute, elektronische Tanzmusik.

Ich weiß nicht wie lange wir drin waren, aber es war viel zu kurz. Nach einiger Zeit machte sein Bodyguard noch ein Foto von uns und dann wurden wir wieder hinaus geführt. Die Disco war mittlerweile fast leer und ich setzte mich, mit immer noch zittrigen Knien an die Bar. Ich sagte zu meiner Schwester: „Wasser, ich brauche Wasser.“
Nachdem ich ein Glas getrunken hatte und die zwei Typen auch verschwunden waren gingen wir nach Hause. Meine Schwester zog mich etwas auf und hauchte immer wieder mein: „Yeeees!“ heraus.

Wir saßen im Auto, es war 5 Uhr früh und die Sonne ging langsam über den Wäldern auf. Die Wolken waren lila gefärbt und ich konnte mein Glück nicht fassen. Nun wusste ich, wie es sich anfühlt wenn ein Mädchentraum wahr wird. Ich war so aufgekratzt, dass ich überhaupt nicht schlafen konnte. Immer wieder schaute ich das Foto an (das ein total schlechte Qualität hatte wie ihr sehen könnt) und war um eine zauberhafte Geschichte in meinem leben reicher. Während ich den Abend so revü passieren ließ, kam mir die Erkenntnis: Mein Vater hatte all die Jahre recht, ich wäre in Ohnmacht gefallen.

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