Zeit zum Kuscheln

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Ich hatte heute ein Gespräch mit einem Freund, darüber wir sehr uns Singles die nähe manchmal fehlt. Dabei ging es gar nicht um Sex, sondern rein ums Kuscheln. Um die Nähe zu einem Menschen. Man liegt abends zusammen unter der Decke, schaut einen Film und spürt den anderen einfach. Doch warum tut uns das so gut? Ich hab euch mal einfach ein paar Fakten zusammen geschrieben die ich sehr interessant fand.

Warum tut kuscheln so gut?

Einen großen Teil des wunderbaren Gefühls beim Kuscheln lösen ganz spezielle Nervenfasern in unserer Haut aus, die nur auf langsame, sanfte Berührungen anspringen. Ihre Signale schicken diese Nerven aber nicht an den bewussten Teil unseres Gehirns, sondern direkt an unser Gefühlszentrum – und das löst diesen zauberhaft, positiven Effekt des Streichelns aus.
Verblüffend auch: Diese speziellen Nerven in unserer Haut sorgen dafür, dass wir die Haut eines anderen als besonders weich empfinden, selbst wenn der andere vielleicht gerade gar nicht frisch rasiert ist. Unsere eigenen Sinne täuschen uns demnach, damit wir das Kuscheln als noch angenehmer empfinden. „Das fanden wir besonders spannend an dieser Illusion“, berichtet die Forscherin Antje Gentsch vom University College London. „Sie wirkt am stärksten, wenn die Berührung absichtlich ist und den optimalen Bedingungen für emotionale Berührungen entspricht.“

Neben jemanden zu liegen, ihm in den Haaren zu kraulen und seinen Atem zu spüren, kann es etwas beruhigenderes geben? Gerade jetzt im Herbst. Die Kerzen sind an, man hat ein Glas Wein und einen schönen Liebesfilm. Das schöne am kuscheln ist, es geht meist nicht ohne Gefühle, beim Sex ist das oft etwas anderes. Wer kuschelt, will dem anderen nah sein, ihn berühren, anfassen, riechen und schmecken.

Kuscheln löst Glückshormone aus

Das Kuscheln setzt auch ein spezielles Glückshormon frei, das Oxytocin. Dieser Botenstoff löst einerseits Wohlgefühl aus und nimmt uns andererseits Ängste und Misstrauen. Das kann sogar so weit gehen, dass man nach einem ausgiebigen Kuschelabend den ganzen ärger des Tages vergisst und wir uns eventuell ganz neu in unseren Partner verlieben. Denn das Kuschelhormon macht uns zwar empfänglicher für positive soziale Signale, hemmt aber gleichzeitig unsere Wahrnehmung potenziell bedrohlicher Reize – es verpasst uns damit sozusagen eine Rosa Brille.
Übrigens setzt nicht nur das Kuscheln mit einem Menschen bei uns das Kuschelhormon frei – auch der liebevolle Kontakt mit unserem Hund oder einem anderen Haustier bewirkt dies. Beim Hund reicht dafür sogar schon der intensive gegenseitige Blick in die Augen aus, um bei beiden – Mensch und Tier – die Oxytocinwerte zu erhöhen. Ich habe es mit meiner Schildkröte versucht, das funktioniert nicht so gut 😀
Aber auch wenn ich mit meinen Kindern auf dem Sofa liege und ihren Kopf streichle, stellt sich bei uns dieses Wohlige Gefühl ein. Also braucht man nicht unbedingt einen Partner um zu kuscheln.

Etwas befremdlich fand ich dann doch die Webseiten die zu Kuschelpartys aufrufen. Hier treffen sich fremde Menschen zum Kuschelabend in wohliger Umgebung und schmusen. Auch ohne Sex, es geht um nähe. Ich weiß ja nicht ob mit fremden Kuscheln den gleichen Effekt hat wie das berühren eines Menschen für den man tiefe Gefühle hat. Ich werde im Notfall dann doch meine Schwester fragen ob sie mich nicht mal in den Arm nehmen kann, wenn ich ein ganz tiefes Gefühl nach Körperkontakt habe. Aber jedem das seine.

Für mich persönlich ist kuscheln wichtiger als Sex, denn es kann viel intimer sein. Wenn wir mit jemanden in der Wanne liegen und nichts sagen, den anderen einfach nur spüren. Dann kann so etwas wahre Nähe sein. Also schnappt euch heute abend wenn auch immer und kuschelt einfach mal drauf los. Wir alle brauchen diese Art von Nähe… :-)

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1 Kommentar

  1. Das mit den Kuschelpartys klingt tatsächlich etwas befremdlich.
    Aber wenn man mal überlegt, wieviele Menschen es gibt, die tatsächlich nur bei ärztlichen Untersuchungen berührt werden (um mal nicht den blöden Witz zu bemühen, den einzigen Sex haben manchen bei der Personenkontrolle am Flughafen)… Gerade Menschen, die allein leben. Es müssen nicht mal nur die älteren sein, aber die vor allem.
    Wahrscheinlich gibt es auch sehr viel mehr Kinder als man denkt, die, wenn sie erstmal aus dem Kindergartenalter raus sind, viel viel viel zu wenig in den geknuddelt werden.

    Von der Seite betrachtet ergibt das Anonym-Knuddeln vielleicht sogar einen Sinn – Berührung bekommen, ohne dafür etwas „leisten“ zu müssen…

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