Der Typ auf dem Festival

334h

Ich liebe Festivals. Gerade im Sommer, wenn es draußen warm ist, gibt es doch nichts schöneres als sich Draußen mit Freunden zu treffen und zu feiern. Mein persönlicher Favorit sind immer noch die Elektro Festivals. Wenn der Beat dich durch die Nacht trägt, kannst du alles vergessen. Natürlich ist so ein Festival die perfekte Kontakt Börse.

Also letzen Sommer war ich mit meiner Schwester auf einem großen Elektro Festival. Lauter verrückte Menschen und viel zum Lachen. Einer kam und hatte sich ein Papp-Einhorn gebastelt, das er konsequent hinter sich herzog. Einfach witzig anzuschauen, das ganze Spektakel. Es lief auch ein etwas jünger Kerl dort rum. Er sah sehr schräg, interessant aus, ziemlich dünn, irgendwie voll fertig. Auf dem Kopf hatte er ein Haarband mit kleinen rosa Röschen und sein Rucksack war verziert mit echten Rosen, wie gesagt, eine Interessante Erscheinung.
Ich glaube er bemerkte dass ich ihn beobachtete und so dauerte es nicht lange bis er her kam und mich ansprach. Kaum hatte er den Mund aufgemacht, fing er auch schon an zu reden. Sein Vater hatte wohl einen Bauernhof und würde ihn nicht akzeptieren. Und er müsste immer um Anerkennung kämpfen, egal was er tat, es war wohl nie gut genug. Ich flüsterte meiner Schwester zu: „Der verwechselt Festival aber auch mit Therapie.“
Er fragte, ob wir etwas trinken wollten und als wir dann nach etwas mit Alkohol verlangten, bereute ich zu tiefst etwas in dieser Art verlangt zu haben. Ich bekam sofort einen Vortrag:
„Also, Alkohol ist ja soooo böse und überhaupt, Drogen auch. Das ist ganz schlecht für den Körper und er würde so was ja gar nicht brauchen.“

Puh, ich schaute dem Kerl ins Gesicht und entweder war er psychisch gestört oder auf Drogen. Die Augen waren rot und gläsrig und er schien in einer komplett anderen Welt zu schweben. Aber es war sehr witzig zu sehen wir uns einen Vortrag hielt und dachte wir merken nicht was mit ihm los war. Naja es war Festival, die Sonne schien und der Typ war irgendwie schräg unterhaltsam. Außerdem war ich schon ein bißchen neugierig, was er so zu erzählen hatte. Also ließ ich mir von ihm ein Wasser ausgeben. Meine Schwester unterhielt sich mit jemand anderem, sie war in dem Augenblick cleverer als ich. Er hatte tatsächlich eine Decke in seinem Rucksack, breitete sie aus und wir legten uns mit unserem Wasser in die Sonne. Wie sehr ich diesen Entschluss noch bereuen würde….

Kaum lagen wir, ging es schon wieder los. „Ich kann sogar Traktor fahren. Und mein Vater mag mich nicht. Ich arbeite jeden Tag 12 Stunden. Mein Leben ist ja soooo schwer.“
Jaja, armer Bub. Willkommen zur Therapiestunde mit Chrissi, dachte ich mir. Und weiter gings: „Drogen sind so scheiße, ey schwör, ich würde sowas nie nehmen.“
Ich wollte gerade Nicken, da setzte er sich plötzlich auf und kotzte einmal voll auf die Decke. Das Erbrochene spritzte in der Gegend herum und ich glaube, ich bin noch nie so schnell aufgesprungen, wie in diesem Augenblick. Wie widerlich.
Im Augenwinkel sah ich meine Schwester schon schallend lachen. „So was passiert auch nur dir“, meinte sie lachend. „Kaum liegst du mit nem Kerl auf der Decke, kotzt der auch schon los.“

Total angewidert suchte ich sofort das Weite, aber der Typ war gar nicht so leicht abzuschütteln. Mit seinem verquollenen Blick suchte er uns. „Das kommt von der Sonne“, erzählte er uns. Aber ich meinte nur: „Junge du solltest nach Hause, ich glaube du bist durch.“
Wir schauten möglichst schnell, dass wir davon kamen und machten den Rest des Tages einen riesen Bogen um den Typ und die Wiese.

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