Grauzone Internet: Ist das schon Fremdgehen?

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In Zeiten von Facebook und Tinder Verschwimmen die Grenzen unserer Moral immer mehr. Wo genau fängt das Fremdgehen an? Ist es wirklich erst ein Kuss oder der Austausch von Zärtlichkeiten? Oder ist es schon das heimliche schreiben mit jemand anderem und die Nachrichten die wir löschen damit unser Partner sie nicht entdeckt?

Offensichtlich ist das Internet eine graue Zone, wenn es um die Definition von Treue geht. Knallvoll auf einer Party fremdknutschen, das gilt in den allermeisten Beziehungen schon als Betrug, da sind wir uns alle einig. Aber was ist mit einem geschriebenen Kuss? Wo genau fängt der Betrug im Netz an? Muss man sich anfassen? „Sexueller Kontakt ist nicht notwendig, um Betrug am Partner zu verüben“, las ich in einem Artikel. Ich sehe das etwas anders. Was eine harmlose Internet-Freundschaft von einer virtuellen Affäre unterscheidet, sind folgende Kriterien nötig: emotionale Intimität, sexuelle Chemie und Heimlichkeit.
Stichwort Intimität: Es ist schon erstaunlich, wie nah man sich im Netz kommt. Wenn wir mal ehrlich sind, ist es durchaus schon passiert, dass wir jemandem in der Anonymität des Netzes Dinge gestanden haben, die uns in der wirklichen Welt nicht mal nach fünf Aperol Spritz über die Lippen gebracht hätten. Die Distanz im Netz macht die emotionale Nähe so einfach.

Wenn wir uns heimlich wünschen, leidenschaftlich in einem dunklen Hauseingang verführt zu werden, wird der Mensch vor dem anderen Bildschirm diese Sehnsucht in unserer Fantasie erfüllen. Ohne Speckbauch und kratzende Bartstoppeln. Was die Sache noch prickelnder macht, ist die Gewissheit, dass aus unserer geschriebenen Leidenschaft kein realer Sex entsteht. Der Mensch, mit dem wir virtuell Liebe machen, ist nicht nur fehlerlos, sondern auch unerreichbar.Die Fotos die er uns evtl schickt sind immer schön in Szene gesetzt, immer in tollem Licht, immer in toller Unterwäsche. Wir können gefahrlos träumen und idealisieren, ohne uns die Finger zu verbrennen.
Wobei das nicht ganz stimmt. Wir wollen nicht, dass unser digitales Abenteuer auffliegt, weil wir Angst vor den Folgen haben. Wenn der Partner den Raum betritt, klappen wir fix den Rechner zu, wechseln unsere Passwörter und löschen Whatsapp-Verläufe. Wenn Menschen entdecken, dass ihre Partner eine emotionale und sexuelle Onlineaffäre haben, sind sie am Boden zerstört. Es fühlt sich schon an wie Betrug, auch wenn keine körperliche Nähe vorhanden war.

Heute brauchen wir keine Tinte mehr, sondern eine schnelle Internet Verbindung, um Gefühle zu entfachen. Wir können uns im digitalen Zeitalter verlieben, ohne den anderen jemals gesehen oder berührt zu haben. Wahrscheinlich ist auch genau das der Grund, warum wir unsere Beziehungen vorschnell aufgeben. Die Verlockung des neuen, unbekannten ist einfach zu groß und zu schön fühlt sich wohl Perfektion des anderen an. Das derjenige genauso seine Fehler hat wird einfach ausgeblendet.
Ich habe mal gelesen dass 60 Prozent der Männer bereit wären, ihrer Partnerin digitale Untreue zu verzeihen. Wir Frauen sind da weitaus nachtragender. Lediglich 40 Prozent wären bereit zu verzeihen könnte auch daran liegen, dass wir selbst ganz genau wissen, welches Wirrwarr eine solche virtuelle Affäre in unseren Köpfen anrichten kann. Während Männer Betrug mit Körperlichkeiten gleichsetzen, kennen Frauen die Macht der Worte. Nicht wenige von uns haben sie selbst schon eingesetzt.

Echte, reale Beziehungen können anstrengend sein, frustrieren und uns manchmal zweifeln lassen. Beziehungen leben von Reibung und Konflikt, und oft passt zwischen den Kindern, der Arbeit und dem Einkaufen keine prickelnde Erotik. Trotzdem ist eine virtuelle Affäre keine Alternative. Was man auch nicht vergessen darf: Sie kostet uns viel Zeit. Zeit, die für unseren realen Partner fehlt. Anstatt stundenlang aufs Handy zu starren, können wir den Menschen, der das Bett mit uns teilt, öfter berühren oder mit ihm darüber sprechen, was uns in der Beziehung fehlt. Immerhin hat man diese Beziehung ja auch Zeit und Mühe gesteckt. Vielleicht hat man seinen Partner im Internet kennengelernt und hielt ihn anfangs auch für perfekt.

Wir sollten uns immer gut überlegen wie weit wir im Netz gehen. Ich denke mir immer: Ich tue nur dinge die mich bei meinem eigenen Partner nicht verletzen würden. Ich freue mich über ein nettes Kompliment unter einem Facebook Foto oder über ein like, mehr aber auch nicht. Mir ist klar das jeder noch so tolle Internet Mann auch jeden Morgen verstrubbelt aufwacht und genauso seine Fehler hat wie jeder andere auch. Wahrscheinlich sind genau das die Gründe warum ich zu den Frauen gehöre die gehen würden, ich teile meinen Partner nicht, auch nicht online.

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